06. Mai 09

Bewerben ohne Bewerbung

Immer weniger Stellenangebote finden sich in den Stellenmärkten, immer mehr Bewerber kandidieren auf einen Job. Gerade in der derzeitigen Krise sind alternative Strategien der Initiativbewerbung wieder gefragt wie nie. Hier die Grundregeln:

 

}  Sie sollten wissen, was Sie wollen (also welchen Job Sie anstreben)

}  Einmal ist keinmal: Sie müssen mehrmals mit einem Unternehmen in Kontakt treten, sonst gehen Sie unter.

}  Fachabteilung geht vor Personalabteilung.

}  Der Erstkontakt ist immer erst telefonisch (Call-Mail-Call). Die weiteren Kontakte können auch mal per Mail, Xing und am allerbesten persönlich erfolgen.

}  Die kreative Ansprache ist ein Geheimrezept. Sagen Sie nicht, dass Sie sich bewerben möchten: Bieten Sie lieber etwas an (Hospitanz, Projekt, Kennenlernen).

}  Sie müssen hartnäckig sein, oft sogar sehr.

 

Und nun die wichtigsten Strategien:

 

}  Netzwerkstrategie: Sie aktivieren Ihr gesamtes Netzwerk. Jeder, wirklich jeder sucht in seinem eigenen Umfeld für Sie mit.

}  Empfehlungsstrategie: Sie bitten Freunde und Bekannte in der eigenen Firma Werbung für Sie zu machen.

}  Web-2.0-Strategie: Sie nutzen Xing WIRKLICH, in dem Sie Ihr Netzwerk, erweitern, die Findbarkeit erhöhen und gezielt passende Unternehmen ansprechen (auch hier mit kreativer Ansprache!).

}  Kennenlern-Strategie: Sie sagen nicht, dass Sie sich bewerben wollen, sondern dass Sie das Unternehmen kennenlernen möchten.

}  Angebots-Strategie: Sie bieten etwas an, was Sie für das Unternehmen tun können.

}  Rundgang-Strategie: Sie gehen bei interessanten, kleineren Unternehmen persönlich vorbei.

 

Mehr Tipps liefert Ihnen mein Buch „Bewerben ohne Bewerbung. Alternative Strategien in schwierigen Zeiten“.

14. März 09

Jobkiller und Jobfee treffen sich

Welche Jobs gibt es morgen noch? Zehntausende BWL-Studenten könnten auf das falsche Pferd gesetzt haben, denn das mittlere Management schmilzt dahin. Wo sonst noch Jobkiller lauern, skizziert ein interessanter Youtube-Beitrag, in dem der Autor Markus Albers zu Wort kommt. Allerdings halte ich seine Jobfee ein wenig zu optimistisch: Dass jeder mit dem, was ihm oder ihr Spaß macht, auch Geld verdient, ist eine schöne Illusion, mit der man Bücher verkauft.

12. März 09

We gut bin ich? Selbsteinschätzung und ihre Tücken

Nehmen Sie das Beispiel Englisch. Der eine Bewerber sagt "ne, bin nicht so gut" und schwupps geht die Schublade auf: schlechtes Englisch, very bad. Der andere trumpft auf "ich bin sehr sicher in Englisch" und meint es auch, da der Selbstbewusstseinspegel höher ist. Dann kommt die Probe aufs Exempel: Fehler über Fehler bei Nummer 2, Bestleistungen bei der 1. Nun besteht das Problem, dass die von sich selbst überzeugten Bewerber meist leichter durch Vorstellungsgespräche rutschen und eher überzeugen, während die Selbstkritischen durchfallen. Schade, dass vieles so subjektiv ist - muss es aber gar nicht. Brainbench.com rückt manch schiefe Selbsteinschätzung auf ein einigermaßen objektives Maß zurück.

Brainbench bietet Testverfahren aus den unterschiedlichsten Bereichen an. Diese Tests sollen einerseits deutlich machen, ob ein Bewerber die nötigen Vorraussetzungen für einen Job besitzt, andererseits können sie dem Bewerber selber deutlich machen, wie fit er in bestimmten Anforderungen eines Unternehmens ist. 

Leider gibt es diese Website noch nicht auf deutsch!

11. Februar 09

IT-Branche trotzt der Krise

Karrieremotor Technik - Frauen geben Gas

 

Karrieremotor Technik  -  Frauen geben Gas       

 

IT-Branche trotzt der Krise

Hamburg. Alles redet von der Krise, aber in der IT-Branche bleibt die Lage weitgehend stabil. "Qualifizierte IT-ler bekommen auf zehn Bewerbungen immer noch sieben Vorstellungsgespräche", so die Hamburger Karriereberaterin Svenja Hofert, die das Buch "Praxisbuch IT-Karriere" geschrieben hat.  Auch könnten sie nach wie vor hohe Gehälter aushandeln. Frauen hätten bei der Bewerbung trotz bestehender Vorurteile dabei oft einen besonderen Bonus, entsprechend sei die Quote von Bewerbung zu Einladung bei weiblichen Bewerbern häufig höher.

 

Gerade größere Unternehmen würden offenbar junge Frauen besonders fördern, ist Hofert überzeugt. "Jedenfalls erlebe ich es, dass weibliche Studenten mit eher geringen Programmierkenntnissen sich ihren Praktikumsplatz auch bei durchschnittlichen Noten aussuchen können. Bei männlichen Anwärtern ist das meist nicht so."

 

Talentierte und technikaffine Bewerber hätten derzeit gegenüber Absolventen der Betriebswirtschaft weitaus bessere Karten. Auch die Suche nach dem Studium falle im techniknahen Umfeld mit maximal drei Monaten deutlich kürzer aus als bei Absolventen, die sich beispielsweise auf Marketing oder Personal fokussiert hätten. Insgesamt, so die Expertin, sei die derzeitige Situation am Arbeitsmarkt für Absolventen ebenso wie für Berufserfahrene weitaus besser als die Lage in den Krisenjahren nach dem 11. September 2001.

 

Der Infrastrukturbereich, der den Betrieb der Unternehmen sicherstellt, blühe geradezu, so Hofert. Bestimmte Technologien seien so gefragt wie lange nicht mehr. So gebe es eine hohe Nachfrage nach Cobol-Entwicklern, die oft im Bankenbereich arbeiten. Auch Java-Programmierer oder Hardwareentwickler seien begehrt. Betroffen von der Krise seien eher aufschiebbare Projekte, etwa im SAP-Umfeld. Hier konnten viele Stellen im letzten Jahr nicht mehr besetzt werden. Das ist inzwischen wieder leichter geworden.

 

Mittel- und langfristig böte die IT die zukunftssichersten und flexibelsten Berufsfelder überhaupt, diagnostiziert Hofert. Einkauf, Logistik, Finanzen - ohne IT gehe es nirgendwo, alle Geschäftsprozesse eines Unternehmens seien inzwischen elektronisch. "Kein Unternehmensbereich funktioniert mehr ohne IT, und so sind in der Zukunft vor allem auch mehr und mehr Schnittstellenkompetenzen gefragt." Wie dadurch neue Berufsfelder entstünden, zeige etwa das Berufsbild des Servicemanagers, der die Prozesse des Unternehmens prüft.

 

Nach wie vor sei ein Quereinstieg in die IT möglich, ein Informatik- oder Wirtschaftsinformatikstudium sinnvoll, aber nicht notwendig. Gerade in den angrenzenden Bereichen sind kommunikative Kompetenzen besonders gefragt. Hofert: "Germanistikabsolventen, die sich für Technik und Geschäftsprozesse interessieren, sind mitunter die besseren Testmanager oder Business Analysten." Testmanager testen Software und Prozesse, Business Process Analysten optimieren und beschleunigen Geschäftsabläufe.

 

Die Affinität zur Technik müsse nicht angeboren sein. Oft sei die Berufswahl kulturell und durch die Umgebung geprägt, die bestimme, was ein "cooler" Job sei. Dass sich immer noch so wenige Frauen für IT begeisterten, habe aber auch mit der Unkenntnis der Berufsfelder zu tun. IT würde oft gleichgesetzt mit Programmieren und Computerbasteln - dabei ist dies der kleinste Bereich, so Hofert. "Wer versteht, wie die einzelnen Fäden im Unternehmen durch IT zusammenhängen und die Räder der einzelnen Abteilungen miteinander verzahnt sind, dem gehört die Zukunft."

 

 

Buchtipp:

 

Praxisbuch IT-Karriere

Berufsorientierung, Karriereplanung und Bewerbung

Svenja Hofert

Eichborn Verlag,

ISBN 978-3-8218-5970-5

24,95 € Deutschland 

 

 

 

23. Januar 09

Traumberufe mit Sprachen - wenig Geld, aber viel Spaß

Eins ist klar: Reich wird man als Sprachgenie eher selten. Dafür glücklich. Etwa wenn man die Kombination aus Sprachgefühl und technischen Verständnis nutzt, um sich daraus den gefragten Beruf des technischen Redakteurs zu "mixen". Hier ist die Nachfrage groß und die Gehälter ordentlich. Sehr viel weniger rosig sind die Berufsaussichten etwa für Übersetzer und Lektoren. Und machen wir uns nichts vor: Wer gar von so schöngeistigen Berufstätigkeiten wie dem Literaturübersetzen träumt, erlangt zwar Ruhm, aber höchstwahrscheinlich nie einen auch nur halbwegs befriedigenden Kontostand. Was für Menschen in diesen Jobs oft am Anfang auch nicht wichtig ist - später leider schon.

Der Traumberuf hat so seine Macken - und das weiß auch Ulrike Beyler. Die Autorin hat mit "Traumberufe mit Fremdsprachen" einen umfassenden und detaillierten Ratgeber geschrieben, der zudem ansprechend zu lesen ist. Sie erlaubt Insiderblicke in die Jobprofile und zeigt , wie Menschen arbeiten. Das gefällt mir besonders gut. Dazu beschönigt sie nichts: Dozenten verdienen nun mal manchmal nur 15 Euro und Übersetzer müssen sich um die wenigen schlechtbezahlten Aufträge balgen. Selbstständigkeit muss ein Ziel und Perspektive sein, wenn man sich für Studiengänge wie Übersetzungswissenschaft interessiert und nicht im Anschluss im Sekretariat landen möchte. Leider sagt einem das an den Unis und Fachhochschulen keiner. Besser, weil perspektivreicher, ist da die Fachübersetzung, das Konferenzdolmetschen oder auch, zurück zum Anfang, die technische Redaktion. Beyler, selbst ein Drei-Job-Wunder (Juristin, Übersetzerin, Personalerin), stellt auch exotische Jobbilder vor etwa den Terminologen oder den Senior Proof Reader bei Unternehmensberatungen. Und sie sagt Studierenden ganz deutlich, dass sie sich als Übersetzungswissenschaftler, Philologen und Kulturwirte besser schon sehr früh profilieren und einen eigenen Schwerpunkt im Lebenslauf setzen. Leider tun das nur sehr wenige. Für die, sowie für alle die in diesem Umfeld einen Beruf finden wollen, ist das Buch ein wunderbarer Tipp: spannenden Lektüre, Aufklärung und fundierte Information zugleich.

Svenja Hofert

21. Januar 09

Karriereberatung sponsered by Arbeitsagentur

Hilfe, Arbeitsagentur: Das schlechte Image sorgt dafür, dass sich viele Bewerber lieber externe Hilfe holen. Hintergrund ist, dass früher von der Führungskraft bis zum ungelernten Arbeiter häufig explosive Mischtruppen in Bewerbungstrainings entsendet wurden. Deren Dozenten stammten nicht selten aus dem sozialen Umfeld und frei von Wirtschaftserfahrung. Entsprechend schlecht die Ergebnisse der Trainings - jedenfalls für das Gros.

Inzwischen ist, und hier breche ich eine Lanze mindestens für die mir bekannten Arbeitsagenturen in Hamburg vieles besser geworden. Ganz klar ein Riesengewinn: Es ,müssen nicht mehr nur die Kurse assoziierter und zum erbarmungslosen Honorardumping gezwungenen so genannten Träger genehmigt werden. Der Arbeitslose kann sich seine Weiterbildung selbst aussuchen.

Spätestens seit 1.1.2009 besteht für die Vermittler  auch die die Möglichkeit, eine externe Karriereberatung zu genehmigen - und zwar unabhängig von der Höhe des Honorars. Eine Chance haben vor allem Bewerber, die nicht zur klassischen Klientel der AAs gehören, z.B. Designer, Journalisten, Werber, Führungskräfte. Meiner Erfahrung nach werden 400 EUR problemlos genehmigt, eventuell mehr - dafür gibt es z.B. bei uns immerhin 2,5 bis 3,6 Beratungsstunden. Offensichtlich gehört die Genehmigung zum Maßnahmenpaket , mit dem die jetzt steigende Zahl der Arbeitslosen "im Zaum" gehalten werden soll.
Svenja Hofert

20. Januar 09

The promised company

Google hat BMW, Porsche & Co. bei manchen Berufseinsteigern als Lieblingsunternehmen den Rang abgelaufen. Doch wie es wirklich inside Google aussieht, lässt sich immer wieder hören und nachlesen. Monatelange Auswahlverfahren, lausige Bezahlung, Bürokratie, wenig Verantwortung - so beschreiben es ehemalige Angestellte im Artikel "Why Google Employees quit". Mindestens die ersten beiden Punkte treffen auch auf Deutschland zu. Das gelobte Unternehmen wird zur Falle - aus meiner Sicht ein Phänomen, das sich überall dort wiederholt, wo Bewerber (zu) hohe Erwartungen an ein Unternehmen oder die eigene Karriere haben. So träumen viele Absolventen, gerade BWLer, davon ihr neues Wissen endlich anwenden zu können und in einer großen Firma Karriere machen zu bleiben. Sie wollen das ganz große Rad drehen, aber man lässt sie bestenfalls ans kleine Rädchen. Was bleibt ist oft der simple Sachbearbeiterposten ("nur drei Jahre") und die Erkenntnis, dass Unternehmergeist, Ideen und der Wunsch, Veränderungen voranzutreiben längst nicht überall gefragt sind.

Svenja Hofert

15. Januar 09

Recruiting im Web 2.0: Video von der Internet World

Schon eion bißchen länger her, dass ich dieses Interview auf dem Internet World Business Kongress gegeben habe, aber das Thema "Jobsuche und Recruiting im Wen 2.0" ist nach wie vor aktuell. http://www.media-treff.de/index.php/2009/01/14/svenja-hofert-zu-jobsuche-und-bewerben-im-web-20-das-internet-als-karriereplattform/

10. Januar 09

Wo bleibt mein Rettungsschirm?

215.000 Einträge zum Begriff haben sich bei Google angesammelt und heute morgen kam der Begriff in "NDR Info" schätzungsweise 15 Mal. Auto, Banken, gar sämtliche Konzerne - und vorgestern forderte auch die US-Pornoindustriewegen wegbrechender Umsätze einen Rettungsschirm (die wohl eher mit der Verlagerung der Geschäfte ins Internet zu tun haben, siehe Musikindustrie). Den größten Rettungsschirm aber will Sozi-CDUler Rüttgers mit 100 Milliarden für die gesamte deutsche Industrie aufspannen.

Was befugt eigentlich ein Unternehmen oder eine Branche nach einem Rettungsschirm aus Steuergeldern zu schreien? Wieso dürfen das Industriezweige und börsennotierte Konzerne? Warum wollen plötzlich alle unter einen staatlichen Schutzmantel? Und woher, wenn nicht aus Wahlkampf- und Selbstdarstellungsambitionen, kommt die plötzliche sozialistische Verteillust von Politikern? Ich finde: Es ist die Verantwortung eines jeden Unternehmers und Managers, für Krisen vorzusorgen und über was-wäre-wenn-Szenarien nachzudenken. Niemand braucht einen staatlichen Rettungsschirm. Man braucht einzig allein die Chance, Kredite aufnehmen zu können.

Wer etwa würde für kleine Unternehmen wie Handwerksbetriebe, Shops und Freiberufler einen Rettungsschirm aufspannen. Die „kleinen“ wollen das auch gar nicht, wie etwa der Zentralverband des Deutschen Handwerks, der die staatlichen Hilfen ablehnt.  Warum auch? Kleine Unternehmen brauchen in der Regel keine zweistelligen Wachstumsraten für ihr Überleben. Und wenn das Wachstum in einem Jahr mal zurückgeht, begreifen sie das als Chance über das eigene Geschäft neu nachzudenken und die Marktfähigkeit zu verbessern. Es wirft einen nicht gleich völlig um. Auf diesem, oft hart umkämpften Markt – etwa der freiberuflichen Rechtsanwälte, von denen es viel zu viele gibt - gewinnen jene, die clever sind, Ideen haben und am Zahn der Zeit bleiben. Bei Großunternehmen zählt letztendlich die Lobby und die Marktmacht. Was auffällt: Die da schreien, sind angestellt. Sie gehen kein Risiko ein, und was sie retten wollen, ist letztendlich vor allem die eigene Haut. Es ist auch kurzfristig gedacht. Wie wenig nützlich staatliche Rettungsschirme sind, sollte das Beispiel des Holzmann-Konzerns eindrücklich gezeigt haben. Mehr Beispiele dagegen liefert Dorothea Siems in der WELT.

Wer auch immer den Schirm erhält: Wie lange der wohl dem prasselnden Rezessionsregen standhält? Das Bild des Rettungsschirms sagt schon alles über seinen Nutzen: Einen Schirm spannt man auf, um sich damit zu schützen. Es sagt: Für das, was da von oben kommt, kann ich nichts, das ist naturgegeben. Stimmt aber nicht. Jeder kann gegen Krisen anschwimmen und wenn das bedeutet, neue Konzepte und Ideen zu entwickeln, sollte er dafür Kredite bekommen können. Aus diesem Grund sind Hilfen für die Banken wichtig (und bei uns zu halbherzig geraten) - aber bitte nicht für die gesamte Wirtschaft. Sonst will ich auch so einen Rettungsschirm. Brauche ich zwar nicht, aber alles andere wäre ungerecht.

07. Januar 09

Die Geschichte der Bewerbung

...ist eine Geschichte voller Mißverständnisse. Gestern habe ich beim Ausmisten alter Regale Bewerbungsratgeber aus vier Jahrzehnten gefunden. Der älteste stammt aus den 70er Jahren. Der Autor, Hans Friedrich, war ein Vorläufer von Hesse/Schrader. Bis in die 1990 Jahre wurden seine Bücher weiter aufgelegt.

Eine kleine Revue durch fast 40 Jahre Bewerbungsratgeberliteratur:

  • 1970er: Der Lebenslauf ist noch durchgängig handschriftlich und oft im Fließtext verfasst sowie maximal eine Seite lang. Wer einen maschinengeschriebenen Lebenslauf erstellt, soll eine Schriftprobe beiliegen. Studienabbrüche etc. werden deutlich erklärt. Elternberufe werden ebenso erwähnt wie die Mädchennamen der Mütter. Auch wer geschieden ist, soll das sagen. Überraschung: Schon damals rät der Autor von Floskeln wie "bezugnehmend auf Ihr Inserat" ab, verdammt diese als Beamtendeutsch und rät statt dessen zu einem Einstieg wie "ich bewerbe mich um eine Stelle als...". Überraschung 2: Der Autor rät zu Notlügen, um Lücken zu kaschieren.
  • 1980er: Die handschriftliche Variante wird langsam durch einen getippten Lebenslauf ersetzt, die tabellarische Form setzt sich durch. Lebensläufe werden länger. Es zeigen sich Formen der Angloamerikanisierung, da erstmals auch "Job Descriptions" und Erfolge in die Unterlagen einziehen.
  • 1990er: Hesse/Schrader erfinden das Selbstmarketing mit zahlreichen Neuerungen: Lebensläufe dürfen 2-3 Seiten sein, eine dritte Seite wird von Fall zu Fall empfohlen, Deckblätter machen sich breit. Gegen Ende der 90er werden auch die Fotos immer größer. Aus dem ehemaligen Lichtbild wird ein Portraitfoto.
  • 2000er: Die Online-Bewerbung setzt sich seit etwa 1998 langsam durch. Der große Umbruch kommt aber erst ab 2002 und dann noch mal ab 2006. Ab 2002 akzeptieren große Unternehmen wie Siemens alle drei Bewerbungsarten (E-Mail, Online-Formular, Post) gleichwertig und behaupten, keine Form zu bevorzugen. Ab 2006 werden die Ansagen eindeutig: Nur noch über das Online-Formular sagen heute viele große. Die E-Mail-Bewerbung wird vor allem von mittleren und kleineren Firmen bevorzugt. Ein Grund für den Siegeszug ist auch das Allgemeine Gleichstellungsgesetz AGG, das den Unternehmen Dokumentationspflichten auferlegt, die mit digitalen Dokumenten leichter zu erfüllen sind.

Und wie wird es weiter gehen? Das Internet, so ist meine These, wird das bisherige Bewerbungsverfahren auf den Kopf stellen. Menschen kommunizieren ganz anders miteinander, Networking und Empfehlungen bekommen eine neue Bedeutung. Richtige Bewerbungen wird es deshalb immer seltener geben - die Menschen lassen sich lieber im Internet finden.

Svenja Hofert

Suchwörter: Geschichte der Bewerbung, Seite 3, Seite Drei, Online-Bewerbung, Hesse/Schrader