17. Juli 08

Endlich: Jobanzeigen mit Gehaltsangabe

Heute trudelte eine Stellenanzeige über www.newsroom.de bei mir ein. Das erste Mal sehe ich bei einer deutschen Anzeige, dass das Gehalt mit angegeben wird. Super - warum nicht schon früher so, warum machen das nicht alle? In England ist es längst üblich, Anzeigen mit Gehaltsangabe zu veröffentlichen. Und sinnvoll: So weiß jeder, wo er dran ist und kann entscheiden, ob es dem eigenen Rahmen entspricht. In Deutschland wird vom Bewerber dagegen oft eine umfassende Marktrecherche verlangt, die extrem aufwändig und schwierig ist - und die Ergebnisse, die Gehaltsanalysen bringen, sind abseits von Standardjobs und -erfahrungen z.B. kaum tauglich.

Svenja Hofert

Rahmen

- Bewerbungsschluss 15.08.2008

- Arbeitsbeginn 15.09.2008

- unbefristet, 30 Tage Urlaub

- Monatsgehalt 4.260 Euro brutto

09. Juli 08

37Grad: Prekär, aber nicht aussichtslos

Eine Friseurin, ein Radverkäufer, eine Arzhelferin: alle verdienen rund 900 Euro netto bei Vollzeit - sie haben zu wenig zum Leben und sind  schlechter gestellt als Hartz-IV-Empfänger. Denn während die ARGE für Arbeitslosengeld II-Empfänger Miete, GEZ, Heizung und Strom übernimmt, müssen die drei Geringverdiener aus der gestrigen Reportage 37° "Schuften - und doch kein Geld" im ZDF diese Kosten selbst bestreiten. Darf das sein? Kann das sein? Nein, darf es nicht. Es kann auch nicht sein, dass jemand der gar nicht arbeitet, mehr bekommt, als jemand der arbeitet - ja, wie in dem Beitrag gezeigt, schuftet. Und wohlgemerkt: qualifiziert arbeitet. Schuld an dieser Situation sind A die Arbeitgeber: Ich bin selbst Arbeitgeberin und kann mir keine dicken Gehälter leisten, aber fair und über Sozialhilfeniveau zu zahlen, ist für mich selbstverständlich. Sonst stimmt etwas nicht mit dem Geschäftsmodell, man muss es verändern! Oder darf keine Mitarbeiter einstellen, oder nicht zu den verlangten Stunden. Schuld ist B der Staat: Von 100 Euro für eine Gehaltserhöhung kommen beim Mitarbeiter 50-60 an - selbst wenn er am untersten Ende der Gehaltsskala verdient. Das Übel sind dabei weniger die Steuern als vielmehr die Sozialbeiträge. Diese müßten bei Verdiensten unter 2.500 Euro brutto etwas, unter 1.500 Euro radikal gesenkt werden. Schuld sind C auch die Angestellten selbst: Sie müssen mehr kämpfen, dürfen sich die Ausbeute nicht gefallen lassen, müssen wie im Beitrag der Fahrradverkäufer durch die Läden ziehen und nach besser zahlenden Alternativen suchen. Die gibt es glücklicherweise noch, das hat auch diese Reportage gezeigt: der Radfahrer zog mit Lebenslauf durch die Läden, die Friseurin machte sich selbstständig, die Arzthelferin ging auf Jobsuche.

Svenja Hofert

01. Juli 08

Bewerbungen: Wie viel Design muss sein?

Zwischen Designermappe und schwarzweißer Ödnis liegt das Ideal. Eine individuelle Optik und wohl dosierte Gestaltungselemente unterstreichen den Inhalt und dominieren ihn nicht. Puzzlesteine, bunte Kollagen und Produktinformationen mit Urlaubsfotos: Bewerber lassen sich einiges einfallen, um optisch aus der Masse herauszustechen. Ein Großteil der sich bewerbenden Bevölkerung habe allerdings Schwierigkeiten, Design richtig zu dosieren. Sie gestalten entweder zu viel oder sind zu vorsichtig: Kreative Berufsgruppen neigen dazu, die Gestaltung über zu betonen. Nichtkreative Berufsgruppen tendieren dahin, entweder sehr schlicht zu gestalten, mit den Fotos zu privat zu werden oder fertige Muster aus Bewerbungsbüchern zu übernehmen.

Letzteres ist keine gute Idee. Für Personalverantwortliche wirkt das x-te Muster ähnlich langweilig wie die hundertste Bewerbung, die mit „hiermit bewerbe ich mich als...“ beginnt.

Stattdessen sollten auch Nichtkreative eine eigene und individuelle Gestaltung wählen. Denn wer sagt etwa, dass ein Buchhalter oder Programmierer seine Aussagen nicht dezent farblich, mit Fett oder zarter blauer Linie unterstreichen darf? Ein seitlicher Strich  in dunkelgrau, der Name in einer anderen Schrift oder ein schattierter Kasten mit den wichtigsten Informationen: Solche dezenten Verschönerungsmaßnahmen sind Buchhaltern, Programmierern wie auch allen anderen Berufsgruppen erlaubt. Sie werden allerdings keine Bewerbungswunder bewirken und dem ungeeigneten Kandidaten die Einladung bescheren. Was sie dagegen können: positiv auffallen und Bewerbern aus dem Mittelfeld den Weg an die Spitze ebnen.

Dabei dürfen Bewerbungen auf Einstiegspositionen, bei kleineren Unternehmen und Generalistenpositionen ruhig etwas kreativer ausfallen – entscheidet hier doch oft der Sympathiefunke, der von der Bewerbung überspringt. Auch die angestrebte Position bestimmt das Maß an Kreativität. Ein Abteilungsleiter braucht ein klares, persönliches Design und profitiert – wie alle anderen - vom eigenen Briefkopf. Spielereien sind für ihn aber kontraproduktiv.

Für Kandidaten aus kreativen Branchen gehört eine kreative Mappe zum Pflichtprogramm. Ein Architekt mit Times New Roman in DIN-A4? Kaum denkbar! Auch Werber, zumal jene aus dem Design-Bereich, liefern mit ihrer Bewerbung letztendlich auch eine Kostprobe ihres Könnens. Da dominiert dann nicht selten die Form den Inhalt – obwohl jeder Designer schon während seiner Ausbildung den Satz „form follows function“ („die Form folgt der Funktion“) gelernt hat. Doch was nützt die schönste Bewerbung, wenn die Argumente nicht überzeugen? Wenn die Motivation, aus dem genau dieser Job fasziniert, nicht rüberkommt? Oder die Bewerbung dem Personalverantwortlichen sogar Aufwand bereitet? Puzzlesteine sind deshalb für die Bewerbung ebenso wenig geeignet wie bunte Kollagen, auf denen keine Aussagen mehr erkennbar ist. Außerdem ist es zwar gut, eine Bewerbung als Produktinformation mit erläuternden Fotos zu betrachten. Private Fotos haben darin dennoch nichts zu suchen.

Svenja Hofert

Tipps von Svenja Hofert

Design einfach mit Word selbstgemacht

·         Mit FETT lässt sich eine Benutzerführung in Texte einbauen, die die Aufmerksamkeit gezielt auf gewünschte Passagen lenkt.

·         Unter Format/Rahmen und Schattierungen können Sie Linien auswählen, die eine Bewerbung schöner machen. Diese Linien sind wahlweise durchgezogen, gestrichelt oder gepunktet, etwas dicker oder ganz zart.

·         Neben Schwarz sind auch Grau, Blau oder Weinrot sehr dezent, im Beautybereich kann sogar Rosa einmal hübsch aussehen. Nie mehr als zwei Farben kombinieren.

·         Kleine Symbole wie Pfeile oder Kreise, die den Briefkopf oder Überschriften aufhübschen, finden sich unter Einfügen/Symbol.

·         GROSS geschriebene Worte lenken auf den Inhalt.

·         Aufmerksamkeit erreichen Sie auch mit grauen Unterlegungen.

·         Möchten Sie einen seitlichen, farblichen Strich zeichnen, arbeiten Sie mit einer Tabelle, in der oben, unten und eine Seite sowie die Mitte transparent sind.

·         Ein Briefkopf in der Kopfzeile oder auch in der Kopf- und Fußzeile sorgt für einheitliche Gestaltung.

·         Wenn Anschreiben und Lebenslauf im gleichen Design gestaltet sind, sorgt das für Ruhe und einen professionellen Eindruck.

21. Juni 08

Kündigungsgeneratoren, Yahoo und wie man richtig tschüss sagt

Wer auch immer Urheber des Kündigungsgenerators für Yahoo-Stellen war, diese witzige Site hat mich auf die Idee für das Thema "wie kündige ich eigentlich meinen Job?" gebracht. Denn in Wahrheit ist das KÜNDIGEN gar nicht so einfach, zumal nicht in kleinen Firmen oder Agenturen, wo jeder jeden kennt und Weggänger als Verräter sieht und entsprechend "belatschert". Tatsächlich höre ich immer wieder, dass Kündigungen quasi als Majestätsbeleidigung aufgefasst werden. Wir sind doch Marktführer, so toll, so klasse - was willst Du eigentlich - da denkt mancher "nur weg von euch Despoten" und sagt es möglicherweise auch. Das genau ist nicht notwendig (es reicht zu schreiben "hiermit kündige ich mein Arbeitsverhältnis fristgerecht zum..."). Ja, mitunter ist es taktisch viel, viel klüger, ein Unternehmen, insbesondere ein kleines, schweigend oder diplomatisch-ausschweifend ("neue Herausforderung") zu verlassen. Eine Verpflichtung zur Nennung von Gründen besteht bei einer fristgerechten Kündigung auf Arbeitnehmerseite jedenfalls nicht. Auch eine moralische gibt es bei näherer Betrachtung nicht wirklich - wem sind Sie verpflichtet? Zudem: Herz ausschütten macht man vor der/dem Liebsten und besser nicht im Job. Denn: In manchen Branchen wird viel geredet, Datenschutz hin oder her. Und da kann es schnell sein, dass sich unternehmensübergreifend rumspricht, dass Sie die Stimmung einfach nicht aushalten oder Ihnen die cholerische Struktur der Führugnsspitze kräftig auf den Geist geht. Das ist das eine. Das andere ist, dass ein Abgang glanzvoller wird mit etwas Geheimnis. Deshalb wiederum ist der Yahoo-Generator kein Vorbild, denn besser ich sage nicht ob ich zu Google, Microsoft oder zur Heinz Kunz KG wechsel und melde mich gegebenfalls später aus dem Off.

16. Juni 08

Recruiting 3.0: Der Traumjob, er wartet noch (ganz ohne Daten)

Wozu immer und überall persönliche Daten eingeben? Das nervt mich schon lange. Und wie geht es erst den armen Jobsuchern - noch mehr Logins, noch mehr Daten! Zufällig bin ich bei Careerbuilder (von MSN, eigentlich ein Langweiler-Portal ;-)) auf zwei webzweinullige Dinge gestoßen: 1.) Lebenslauf hochladen OHNE Daten eingeben zu müssen (jip) und 2.) Ein Video vom Careerbuilder-Chef, der dazu motiviert, dies zu tun: "Der Traumjob, er wartet noch. Aber nicht für immer. Den Lebenslauf hochladen. Hallo, worauf warten Sie denn noch. Hier fängt die Zukunft an." Naja, ein erster Schritt. Fragt sich eben nur, wer sich die Lebensläufe anschaut. Im Zweifel sind es bei den Daten-Portalen (derzeit) noch mehr Arbeitgeber und Recruiter. Aber Careerbuilder macht einen Anfang.

Svenja Hofert

14. Juni 08

Xing - 95 Prozent aller Fotos schlecht - Gute Fotos, schlechte Fotos - Svenja Hofert

Unsere aktuelle Pressemeldung sollte auch im Blog nicht fehlen.

Hamburg. Die Hamburger Karriereberaterin Svenja Hofert hat mehr als 100 Profil-Fotos von potentiellen und zufällig ausgewählten Jobsuchern im Portal Xing.de begutachtet und 95 Prozent davon für schlecht befunden. Fotos seien meist zu privat, zu viel Körper, zu bunte Hintergründe oder wären einfach schlecht digitalisiert. „Wer sich im Internet mit einem schlechten Foto darstellt, schädigt sein Image und senkt die Chancen auf ein Jobangebot“, so Hofert. Die Autorin von „Jobsuche und Bewerben im Web 2.0“ (Eichborn-Verlag) empfiehlt, sich für einen bewussten Auftritt im Internet zu entscheiden. „Letztendlich ist die Präsenz bei Xing & Co. nichts anderes als eine latente Dauerbewerbung.“ Aber auch Xing-Mitglieder, die in ihrem aktuellen Job glücklich sind, sollten auf ihre Foto-Präsenz achten. „Wenn den Geschäftsführer aus der Xing-Mail eine Unternehmensberaterin mit Käppi und Neckholder-Shirt anlächelt, wird er deren Angebot sicher weniger ernst nehmen.“

Gute Fotos, schlechte Fotos – 7 Tipps von Svenja Hofert

  1. Gute Fotos zeigen Zähne: Diese sind auch im Miniaturformat noch einzeln sichtbar.
  2. Tapeten gehören ins Wohnzimmer, nicht zu Xing: Hintergründe sind neutral, ohne Muster und am besten hell.
  3. Dunkel zu hell: Am besten etwas Dunkles zum hellen Hintergrund anziehen, mit möglichst wenig Muster.
  4. Branchengerecht: Werber sehen nun mal anders aus als Banker und sollten das auch zeigen.
  5. Ganzkörper-Verbotszone: Ins Internet mit seinen Miniaturbildern gehören nur Porträts vom Gesicht.
  6. Privat gehört ins Fotoalbum: Xing ist ein Netzwerk für Businesskontakte. Wer etwas anderes will, geht zu liebe.de
  7. Erkennbar bleiben: Nasen- oder Fußporträts sind etwas für StudiVZ und andere Fun-Plattformen, haben aber im Business-Internet nichts zu suchen.

12. Juni 08

Immer mehr Freelancer in IT-Projekten: Hays-Studie

Immer mehr IT-Mitarbeiter arbeiten freiberuflich. Für viele ist dies die attraktivere Variante, lässt sich als Freelancer mit 50-150 Euro Stundensatz doch deutlich mehr verdienen als als Angestellter (außerdem wird jede Überstunde bezahlt). Hinzu kommen die für Freiberufler attraktiveren Steuergestaltungsmöglichkeiten - der geringere Sicherheit ist für viele sekundär.

Folgende Pressemeldung von Hays zeigt, dass die selbstständigen ITler einem immer stärker werdenden Trend folgen:

"70% der deutschen Unternehmen setzen auf externe IT-Spezialisten  berbr ckung von Ressourcen-Engp ssen und Produktivit tssteigerung als Hauptgr nde Mannheim, 12 Juni 2008. Der Einsatz externer IT-Spezialisten hat sich in Deutschland etabliert. Dies zeigen die Ergebnisse einer repr sentativen Studie  Externe IT-Spezialisten in Deutschland 2008  von Berlecon Research GmbH im Auftrag der Hays AG unter 160 IT/TK-Leitern von Unternehmen mit mindestens 500 Mitarbeitern.

Mehr als 70% der deutschen Unternehmen ab 500 Mitarbeiter nutzen gegenw rtig externe IT-Spezialisten. Laut den Ergebnissen der Studie wird dieser Anteil in den n chsten 12 Monaten auf  ber  80% steigen. Dabei setzt jedes achte der befragten Unternehmen derzeit bereits mehr als 20 IT-Freelancer ein.

Vor allem in Gro unternehmen und bei Dienstleistungsunternehmen ist der Bedarf an externen IT-Spezialisten stark ausgepr gt. Mittelfristig lassen die Studienresultate aber auch auf einen Aufholprozess im produzierenden Gewerbe schlie en. So rechnen beispielsweise etwa 40% der Produktionsunternehmen f r die n chsten zwei bis drei Jahre mit einem steigenden Anteil der Externen im Vergleich zu den IT-Festangestellten.

Der kurzfristige Bedarf an externen IT-Spezialisten betrifft alle Bereiche der IT-Wertsch pfungskette. Der h chste Bedarf entsteht in der Softwareentwicklung und  integration (59% der Befragten), nachgeordnet folgen Planung und das Design (57 %), der technische Betrieb (52 %) und der Einsatz in der Beratung (49 %).  Dar ber hinaus best tigen die Befragungsergebnisse, dass die Nachfrage nach externen SAP-Spezialisten besonders ausgepr gt ist: Jedes dritte Unternehmen verf gt  ber einen kurzfristigen Bedarf an externen SAP-Architekten.

Externe IT-Spezialisten nehmen in immer st rker eine Beratungsfunktion und eine Rolle als Wissensvermittler ein , erl utert Dr. Andreas Stiehler, Senior Analyst bei Berlecon Research: So zeigt schon heute die H lfte der Unternehmen Bedarf an externen IT-Spezialisten f r Beratung und Coaching. Und die Erwartungen der Unternehmen lassen darauf schlie en, dass der IT-Freelancer-Einsatz in diesem Bereich  berproportional stark zunimmt.  Der Bedarf an Externe als Berater spiegelt sich auch in den Auswahlkriterien wider. Beratungskompetenz und Kommunikationsst rke stehen an der ersten Stelle bei der Auswahl externen IT-Spezialisten. Mehr als 80% der Unternehmen r umen diesen Softskills eine gro e oder sehr gro e Bedeutung zu.  Dass durch den geforderten Know-how-Transfer der Externen die Produktivit t in den Teams tats chlich steigt, wird von drei Viertel der Unternehmen mit IT-Freelancern im Einsatz best tigt. Ein gleich gro er Anteil der Befragten registrierte zudem, dass durch ihren Einsatz Ressourcen-Engp sse schnell  berbr ckt werden und sich so die Flexibilit t der Unternehmen erh ht.

Als ernstzunehmende Herausforderung werden dagegen die zus tzliche Einarbeitungszeit sowie der Aufwand für Steuerung und Koordination der Externen gesehen. Etwa 60% der Befragten sehen diese beiden Punkte als sensibel an. Im Vergleich dazu sind andere Herausforderungen wie die Einhaltung rechtlicher Vorschriften oder eine mangelnde Akzeptanz der Externen durch die Festangestellten in der Praxis eher von untergeordneter Bedeutung.

Die gesamte Studie mit Grafiken steht zum Download verfügbar unter: www.hays.de/it-studie08

04. Juni 08

Trotz AGG: Bewerber bewerben sich mit Fotos

Eigentlich verbietet das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG) die Benachteiligung von Bewerbern nach Aussehen, Hautfarbe, Alter, Geschlecht etc. Fotos indes betonen Entscheidungskriterien, die eigentlich nicht relevant sein dürften. Aus diesem Grund sind in den meisten Ländern, etwa Frankreich Fotos unüblich. Dennoch setzen Bewerber in Deutschland weiter auf Fotos. Auf der anderen Seite aber fordern auch Unternehmen die Bilder ein (siehe z.B. mein Bericht in der Computerwoche, Beispiel IDS Scheer). Meine Meinung: Unternehmen müssen Bewerber explizit und deutlich auffordern, auf Fotos zu verzichten - dann wird auch auf Bewerberseite ein Umdenken erfolgen und auch die Bewerbungsratgeber werden umgeschrieben werden müssen. Im Moment haben Bewerber aber noch viel zu viel Angst vor einer Benachteiligung aus genau dem Grund, der Diskriminierung eigentlich ausschließen soll: das fehlende Foto.

Svenja Hofert

Hier ein Auszug aus einer Meldung von Stellenanzeigen.de zum Thema:

"In den USA ist die Bewerbung ohne Bild längst der Normalfall. Auch in deutschen Personalabteilungen setzt sich aufgrund des im August 2006 verkündeten AGG immer mehr die Tendenz durch, von den Bewerbern kein Foto mehr zu verlangen. Das entspricht einer Empfehlung vieler Arbeitsrechtler hierzulande, der die Personalabteilungen folgen. Während einige sich darauf beschränken, den Passus „mit Lichtbild“ aus ihren Anforderungen an eine vollständige Bewerbung zu entfernen, raten andere gar ausdrücklich „unnötige persönliche Informationen wie ein Lichtbild“ nicht mitzuschicken oder in die Online-Bewerbung hochzuladen.

Eine aktuelle Umfrage von stellenanzeigen.de deutet jetzt darauf hin, dass Recruiter in den meisten Fällen weiterhin Porträtaufnahmen der Bewerber betrachten können, auch wenn sie diese nicht ausdrücklich verlangen. 71,9 Prozent der befragten Fach- und Führungskräfte würden demnach auch dann ein Bild bei ihrer Bewerbung mitschicken, wenn der Arbeitgeber dieses nicht ausdrücklich einfordert. 12,9 Prozent stimmten der Aussage zu „Wer kein Foto verlangt, bekommt in der Bewerbung auch keines von mir“. 15,2 Prozent machen die Entscheidung für oder gegen ein Bewerbungsfoto „vom jeweiligen Job oder Arbeitgeber“ abhängig. An der Online-Umfrage nahmen rund 1.200 Fach- und Führungskräfte teil.

Von den 5.000 aktuellen Profilen, die Fach- und Führungskräfte in der Online- Bewerberdatenbank von stellenanzeigen.de hinterlegt haben, weist derzeit über die Hälfte ein Foto auf. „Das ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die meisten Bewerberinnen und Bewerber in Deutschland trotz des AGG ein Bild als festen Bestandteil der eigenen Präsentation bei Arbeitgebern betrachten“, sagt Michael Weideneder, Geschäftsführer von stellenanzeigen.de."

Mehr Info: http://www.stellenanzeigen.de/umfrage

24. Mai 08

Kompetenzbilanzierung - warum gibt es das nur in Frankreich?

In Frankreich ist es ganz normal: Jeder Mitarbeiter, der ein Unternehmen verlässt, erstellt erst einmal eine Kompetenzbilanz, die alle Fähigkeiten und Fertigkeiten - gerade auch die nicht durch Zertifikate belegten"! - systematisch und individuell erfasst. Das müssen die französischen Unternehmen bezahlen. Dafür bestehen Kooperationen mit akkreditierten Karriereberatern. Die Kompetenzbilanzierung ist dann auch Basis für Weiterbildungsempfehlungen. Schade, dass es das bei uns nicht gibt, hier ist es leider reine Privatsache - also durch Selbstfinanzierung über Karriereberatungen wie die unsere.

Der erste Versuch in Deutschland die Idee der französischen Kompetenzbilanzierung aufzugreifen heißt ProfilPass und ist aus meiner Sicht ein sehr, sehr hilfloser Versuch, der sicher okay ist für "einfache" Berufe, Berufserfahrenen und Akademikern aber nicht gerecht wird. Überhaupt halte ich Standardisierungen, mit denen Arbeitslose, Azubis, Selbstständige und Führungskräfte zugleich angesprochen werden sollen, für nicht tragfähig - und werde hellhörig, wenn der ProfilPass jetzt schon über Volkshochschulen angeboten wird (letztendlich ist dieser "Pass" übrigens nichts anderes als ein Arbeitsbuch). Ist das nicht wieder typisch deutsch: Statt individueller Lösungen bietet man Standards von der Stange. ... Wie sehen Sie diese Thematik? Ich bin gespannt.

Einige Adressen für Interessierte:
- http://www.webkolleg.nrw.de/AnbieterVerzeichnisse/CeKom_NRW/...
- www.cekom-deutschland.de
- www.profilpass-online.de
herzlichst
Svenja Hofert

13. Mai 08

Note mangelhaft für Bewerbungsformulare

Bewerbung: Note "mangelhaft" für IT-Firmen

Die COMPUTERWOCHE hat die Online-Bewerbungsformulare von zehn bekannten IT-Unternehmen getestet. Die Ergebnisse fallen alles andere als schmeichelhaft aus.
Milliardenverluste durch Fachkräftemangel beklagte neulich das Institur für Arbeitsmarktforschung (IAB) in Nürnberg - und fast alle Medien schließen sich der "Jagd nach Ingenieuren" und Fachkräften aus der IT an. Doch was tun die Arbeitgeber? Die aktuelle Computerwoche fasst die Ergebnisse meiner Recherche zusammen.